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  Mister Sportstudio: Drei unten, drei oben

"Mister Sportstudio": Ja, ja, so war das...
Wim Thoelke, Harry Valérien, Günther Jauch, Michael Steinbrecher und Carmen Thomas - das sind die "Großen" des "Aktuellen Sportstudios" im Zweiten Deutschen Fernsehen (ZDF). Doch einer überstrahlt sie alle: Dieter Kürten, genannt "Mister Sportstudio".
Bis heute hat er über 400 Sendungen und mehr als 1.000 Interviewgäste auf dem Buckel. Fußballprofis kürten Kürten mehrmals zum beliebtesten TV-Reporter. Nun veröffentlichte das weißhaarige ZDF-Zugpferd mit "Drei unten, drei oben" die "Erinnerungen eines Sportjournalisten". Und bei LIDO vertonte Kürten sein bei Rowohlt erschienenes Buch auf CD.
Der Fernsehjournalist hat ein persönliches Buch geschrieben. Die Hörfassung konnte natürlich niemand anderes lesen als er selbst.
Kürtens 160 Minuten beschränken sich mitnichten auf sportjournalistische Reflexionen. Sein Buch ist nicht mehr und nicht weniger als eine Biografie. Max Gregers unverwechselbare Titelmelodie vom "Aktuellen Sportstudio" - seit 2000 übrigens "ZDF Sportstudio" - erklingt, und dann erzählt Dieter Kürten... vom Krieg. Er schildert diverse Fliegeralarm-Erfahrungen, beschreibt das Innere von Schutzbunkern und andere frühe Erlebnisse in der "Stadt der tausend Feuer", wie Kürten das Duisburg seiner Kindheit bezeichnet. Dann widmet er sich der rätselhaften Beziehung zu seinem früh verstorbenen Vater Josef, der sich Jochen nannte, aber auf Jupp hörte. Auch er war Journalist, was aber Dieter auf keinen Fall werden sollte, riss dieser Beruf doch die elterliche Ehe auseinander.
Wie Kürten trotzdem zu dem wurde, was er nun ist, wird in den ersten 80 Minuten hergeleitet: erst arbeitete er als "Spediteur bei Hermann Ludwig", dann war er "Presseknabe bei Mannesmann", dann "CvD beim Düsseldorfer "Mittag" und schließlich ZDF-Angestellter bei der "Abteilung Thoelke". So erfährt der geneigte Zuhörer, wann und wobei Kürten überall "wohl besondere Talente an den Tag" gelegt hat: sei es auf dem Nachkriegs-Schwarzmarkt, am Klavier, auf dem Fußballplatz oder halt mehr noch als Analyst daneben - Kürten war ein wahrer Tausendsassa!
Keine Frage: Kürtens Leben war und ist ereignisreich. Doch derlei Viten gibt es viele. Dann kommt es erstens darauf an, wie man seine Biografie literarisiert, und zweitens, wie man das vertont. Schon bei Ersterem hapert es hier gewaltig, weil Kürtens Buch vor Floskeln nur so wimmelt. Der Journalist beginnt seine Biografie mit den Worten "Wie das Leben so spielt"!
Ähnlich tiefgehende Bemerkungen kann er sich die ganze Zeit über nicht verkneifen. Es ist eben das Buch eines Sportkommentators, eines Plauderers.
Umso tragischer ist, dass Kürten seinen beliebten locker-flockigen Stil in die Hörfassung gar nicht hinüberretten kann. Mit wenig Gespür für Betonungen trägt er den Text vor. Dadurch driften nette Geschichten ins Belanglose ab. Außerdem hört man ständig Kürtens Herkunft heraus. Die merkbaren Schnitte hingegen könnte man auch dem Tonmeister oder Regisseur Ulrich Biermann anlasten.
Der interessanteste Teil des Buches ist der über die Taufe des ZDF und seines "Sportstudios". Kürten beschreibt, wie der TV-Sender aus der Konkursmasse der "Freies Fernsehen GmbH" (FFG), des von Kanzler Konrad Adenauer geplanten, jedoch verfassungswidrigen Regierungsfernsehen, entsteht. Das Aktuelle Sportstudio wird zum ersten ZDF-Erfolg. Aus einer einfachen, zweilöchigen Holzplatte macht die Sendung ein fernsehhistorisches Kultobjekt. Für die meisten Hörer werden also primär die zweiten 80 Minuten von Interesse sein. Kürtens Torwandgeschichten und sonstige Show-Kuriositäten könnten zumindestens ein paar Sportfans befriedigen.
"Das wollen die Leute immer wieder sehen", hört man Kürten sagen. Man kann sich gut vorstellen, dass der sympathische Sportmoderator dazu gedrängt wurde, auch mal ein Buch zu schreiben, und dass er es selbst gar nicht angestrebt hat.

Dieter Kürten, "Drei unten, drei oben "
Gelesen von Dieter Kürten
Regie: Ulrich Biermann
© 2003 by Lido

 

 

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