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  Balsam für die Frauen : Männer

Männer und Frauen passen einfach nicht zusammen. Dieses Klischee scheint Dietrich Schwanitz mit seiner Studie über die Spezies Männer zu bestätigen. Das Werk, das 2002 auf der Leipziger Buchmesse den Deutschen Bücherpreis in der Kategorie Sachbuch erhielt, ist im Frühjahr 2003 vom Lido Verlag vertont worden. Schauspieler Matthias Ponnier, als Tatort-Kommissar bekannt, führt mit Bravour in gut zwei Stunden durch acht Kapitel des männlichen Selbstverständnisses.
Die ersten Vergleiche zwischen der natürlichen, ganzheitlichen Frau und dem künstlichen, unsicheren Mann muten reichlich abgegriffen an. Bekannt ist auch die Folgerung, dass Männer ihre angeborenen Minderwertigkeitskomplexe dadurch kompensieren, dass sie sich fortwährend in Szene setzen, grundsätzlich alles besser wissen und unbedingt das letzte Wort haben müssen.
Mehr Originalität bieten die Ausführungen über das Sexualleben von Mann und Frau. Endlich können Männer mit einer anthropologischen Erklärung aufwarten, wenn ihr Blick sich in einem hübschen Dekolleté verliert. Als Jäger, so erfahren wir, ist der Mann seit Ur-Zeiten auf detailliertes Beobachten angewiesen. Das Erleben aus weiter Ferne erregt also die niedersten Instinkte des Mannes. Deshalb ist seine Sexualität tendenziell pornographisch. Als hätten wir es nicht immer gewusst.
Im Vergleich mit der ganzheitlichen Berührungssensibilität der Frau wirkt der Mann trivial und abgestumpft. Aber es kommt noch schlimmer. Im Sex wird das zerbrechliche Ego des Mannes zur Anschaulichkeit gebracht. Versagt der Phallus den Dienst, fühlt er sich selbst als Versager. Es liegt in der Hand der Frau, das Selbstwertgefühl des Mannes in den Boden sinken oder in den Himmel steigen zu lassen.
Nun, wirklich neu sind diese Erkenntnisse auch nicht. Aber Schwanitz verpackt sie in einer Mischung aus Alltagssprache und Wissenschaftlichkeit so geschickt, dass es wie Balsam auf die Frauen-Seele wirkt. Eben hier liegt die Stärke dieses Hörbuches. Manche Erkenntnisse müssen nicht neu sein. Es tut einfach nur gut, sie sich in regelmäßigen Abständen vor Augen oder Ohren zu führen.
Besonders erbaulich sind Feststellungen wie diese: Die Vorstellung, dass Männer sich vor Fettmassen ekeln, ist eine weibliche Zwangsidee. Sie ekeln sich wahrscheinlich selbst davor. Männer dagegen lieben alles Schwabbelige. Allein mit diesen Sätzen dürfte Schwanitz eine Menge Psychotherapeuten arbeitslos gemacht haben.

Dietrich Schwanitz, "Männer"
Gelesen von Matthias Ponnier
Regie: Kathrin Fischer
2 CDs, Spieldauer 131 Minuten
© 2003 by Lido, Eichborn AG
www.lido-verlag.de
ISBN 3-8218-5263-1
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