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  Im Todestal vom Genitiv: Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod

Wie man als Kunde "vom König zum Königst" befördert werden kann, führt ein neues Hörbuch vor. Rudolf Kowalski liest "Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod. Ein Wegweiser durch den Irrgarten der deutschen Sprache". Bastian Sick ist der Verfasser des gleichnamigen Buches und Autor der so genannten Zwiebelfisch-Kolumnen des Spiegels.
Die Texte über Fehlgriffe der deutschen Sprache erfreuen sich wachsender Beliebtheit und wurden 2004 in diesem Buch zusammengestellt. Im selben Jahr hat der Audio Verlag auch das Hörbuch produziert.
Dieses Buch ist ganz schön lehrreich. Gekonnt spürt es die eigenen sprachlichen Unsicherheiten auf - ob man will oder nicht. Die meiste Zeit jedoch verursacht es genüssliches Lächeln. Das geschieht besonders dann, wenn Sick vom "brutalstmöglichst gesteigerten Superlativissimus" oder von der "ständigen Bereichschaft der Deutschen" berichtet. Mit viel Humor und Sprachwitz verknüpft er fehlerhafte Ausdrücke mit eigenen Wortkreationen.
Mit seinen prägnanten Beispielen trifft er den Nagel auf den Kopf. Wer sich bisher über unnötige oder gar unsichtbare Amerikanismen und den scheinbar scheidenden Genitiv ärgern musste, dem spricht Sick vermutlich direkt aus der Seele. Ohne den Zeigefinger lehrerhaft zu erheben, erklärt er, warum man orange nicht deklinieren darf, warum "Sinn machen" keinen Sinn ergibt und dass "Isso" als Abkürzung für "Ich schrei sonst!" steht.
Sick behandelt Zündstoff, der schon manche Ehe auf eine harte Probe gestellt hat: Heißt es die oder das "Nutella"? Und wer weiß heute noch, wofür "Hanuta" steht beziehungsweise welcher Artikel dementsprechend eigentlich korrekt wäre?
A propos korrekt: Haben Sie sich eigentlich schon einmal gefragt, warum es seit neuestem zwar Studentinnen und Studenten, Wählerinnen und Wähler, Mitbürgerinnen und Mitbürger aber keine Schwarzfahrerinnen und Schwarzfahrer, Steuerhinterzieherinnen und Steuerhinterzieher oder gar Straftäterinnen und Straftäter gibt? Man muss sich manchmal schon sehr wundern - auch als Frau.
Dass die Deutschen so ziemlich das einzige Volk sind, das sich bemüht, Wörter aus einer anderen Sprache auch entsprechend auszusprechen, weiß man nicht erst seit diesem Buch. Dass es aber ganz schön peinlich werden kann, wenn einem bei der hyperkorrekten Aussprache Fehler unterlaufen, ist einfach witzig anzuhören. Besonders wenn Kowalski die Beispielanekdoten in einer Weise vorträgt, die man nur als inhaltsgetreu bezeichnen kann. Zur Veranschaulichung bedient er sich unterschiedlichster Dialekte und spricht problemlos Fremdwörter aus - freilich, je nach Situation richtig oder falsch.
Es macht einfach Spaß, diesem Hörbuch zuzuhören. Und dieser Genuss entsteht, obwohl - oder gerade weil - man mitunter auch auf eigene Sprachschwächen aufmerksam gemacht wird.

Bastian Sick, "Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod"
Gelesen von Rudolf Kowalski 2 CDs , Gesamtdauer 152,31 minuten
© 2004 by Audioverlag
ISBN: 3-89813-400-8

 

 

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